
28. 09. 2004 - Im Sommer geliebt, im Herbst
geschlachtet
Haflinger gehören in Österreich zu den beliebtesten Pferden. Erwachsene
und Kinder lieben ihr freundliches, gutmütiges und geduldiges Wesen. In
vielen Reitställen, auf Bauernhöfen und Almen zählen die
semmelfarbenen Pferde zu jenen Attraktionen, die Touristen aus dem In-
und Ausland erfreuen. Besonders beliebt sind natürlich die hübschen
Fohlen, die im Sommer über die Weiden tollen und mit kecken Bocksprüngen
ihre Lebensfreude zeigen. Wer die Haflingerfohlen in trauter
Verbundenheit mit ihren Mutterstuten sieht, käme vermutlich nicht auf
die Idee, daß dieses Glück nur von kurzer Zeit sein könnte. Und daß
ein Großteil der kleinen Haflinger dem Tod geweiht ist, noch ehe sich
die Blätter an den Bäumen verfärben.
(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)
Schrecklicherweise
ist es aber so. Als Folge einer pervertierten Zuchtpolitik ist die
Mehrheit der österreichischen Haflingerfohlen „Überschußproduktion“.
Solange sie im Sommer Urlaubsgäste erfreuen, dürfen sie leben. Danach
haben sie ihre Schuldigkeit getan und werden zu einer der großen
Pferdeversteigerungen gekarrt. Von hier führt für die meisten der
armen Fohlen der Weg in den Schlachthof.
Italienische
Schlachthöfe verarbeiten Fohlenfleisch zu Salami, aber auch in Belgien
und Frankreich wird Fohlenfleisch geschätzt. In Österreich steht es
ebenfalls auf der Karte, wenn auch nicht immer offiziell. In Kärnten
wird stolz das „Milchsaugfohlen“ angepriesen, aber auch in der
Steiermark und in Niederösterreich kann man lokale Spezialitäten aus
Fohlenfleisch bestellen.
Mit Ihrer Hilfe
will Animal Spirit jetzt noch mehr gegen das Leid der Fohlen tun.
Tödliche Schönheitsfehler
Haflinger werden
seit über 100 Jahren gezüchtet, speziell in den letzten Jahrzehnten
haben sich dabei Zuchtpraktiken eingeschlichen, die nur als pervers
bezeichnet werden können. Für die Tiere haben sie fatale Folgen:
entspricht ein neugeborenes Fohlen nicht dem derzeitigen Typ
Modehaflinger, ist das Tier bereits im Babyalter zum Tode verurteilt. Mähne
und Schwanz müssen reinweiß und das Fell fuchsfarben sein. Die meisten
anderen Tiere scheiden von vorn herein zur einträglichen Weiterzucht
aus und werden getötet. Denn außer der Zucht gibt es nur die Möglichkeit,
Fohlen als Reit- und Fahrpferde auszubilden. Doch dieser Bereich ist
begrenzt. Somit landen Jahr für Jahr 96 Prozent aller Hengst- und 90
Prozent aller Stutenfohlen auf irgendeinem Schlachthof. Überschußware,
die man los werden muß. Was das für ein Fohlen bedeutet, ein Tierkind,
interessiert weder die Züchter, die um diese Zahlen wissen, noch die
Verkäufer.
Wie es auf Pferdemärkten zugeht
Der größte
Pferdemarkt in Österreich findet traditionell in Maishofen in Salzburg
statt. Wir von Animal Spirit besuchen diesen Markt schon einige Jahre,
kennen ihn gut und haben bereits einige Protestaktionen durchgeführt.
Die zwei Esel vom Gnadenhof Arche Noah, Pinocchio und Paulina, und die
Stute Jessica haben wir dort freigekauft. Auf einem anderen Pferdemarkt
konnten wir unseren lieben Maxi, den Noriker-Wallach freikaufen. Der
Charakter des Maishofener Pferdemarktes, der im Herbst mehrmals
abgehalten wird, ist der eines Jahrmarktes, ein lautes, schrilles
Ereignis mit rauhen Sitten. Für die Leute, die hier mit Fohlen handeln,
macht es keinen Unterschied, ob sie einen Traktor oder ein Pferd
verkaufen; das einzige, was zählt, ist „das Geschäft“, das jeder
einzufahren hofft. Nur einmal Glück haben und ein Fohlen, das 18.000
Euro bringt, davon träumen diese Verkäufer. Und im Dunst des Alkohols,
der meist in Strömen fließt, werden die Träume immer schriller und
der Umgang mit den Pferden immer brutaler. Die Tiere, die oft schon
verletzt vom Transport ankommen, werden grob behandelt, „Ausschußware“
natürlich erst recht. Und fast alle Fohlen gehören leider dazu.
Ein Fohlen ist ein Pferdekind
Auf dem
Maishofener Fohlenmarkt und anderen Pferdeversteigerungen zählt so ein
Pferdchen nichts, wenn es nicht dem gefragten Modetyp entspricht. Dann
muß man es loswerden. So schnell wie möglich. Zum Kilopreis von ca.
1,60 Euro. „Gemma, gemma. Was führt sich das Viech so auf!“ Da
nimmt man dann einen Elektrostab oder irgendeinen anderen Prügel und
das Fohlen wird von der Mutterstute weggeschockt, weggeprügelt, zum
Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Verkauft an den Händler, dessen
Transporter schon bereit steht für die Horror-Fahrt zum Schlachthof.
Was wird so ein Fohlen empfinden? Was die Mutterstute? Kein Mensch fragt
danach in Maishofen im Salzburger Pinzgau oder auf den anderen Märkten.
Auch nicht in den österreichischen Zuchtverbänden, die diese skurrilen
Modetypen erschaffen haben und mit Empfehlungen wie „eine Stute soll
nie leer stehen“ die „Produktion“ anheizen. Kein Mensch fragt
danach, aber wir von Animal Spirit wollen verhindern, daß auch in
diesem Oktober wieder unzählige Fohlen umgebracht werden. Und wir
bitten Sie, uns dabei zu unterstützen.
Was erlebt die Stute?
Eine
Haflingerstute ist elf Monate trächtig und wird gleich nach der Geburt
des Fohlens wieder gedeckt. Nach dem Sommer werden Stute und Fohlen
meist gemeinsam zum Markt gebracht, weil das kleine Pferd sonst überhaupt
nie in den Transporter steigen würde. Wie viele Fohlen wird eine
Haflingerstute wohl zur Versteigerung begleiten? Wie viele wird sie dort
verschwinden sehen nach dem immergleichen grausamen Kreislauf von
Geburt, sommerlicher Aufzucht, Pferdemarkt und Abtransport des Fohlens
zum Schlachthof?
Der Transport zum Schlachthof
Pferde gehören zu
jenen Tieren, die sich am schlechtesten zum Transport eignen, weil sie
nur schwer ihr Gleichgewicht halten können. Wenn man sich ihren Körperbau
ansieht, ist es klar: Der Schwerpunkt liegt hoch, die Stehbreite ist
schmal. Das ist auch der Grund, warum Pferde höchst sensibel sind, wenn
es um den Boden geht, auf dem sie stehen und gehen. Sie steigen
freiwillig auf nichts, was vibriert. Ein Fohlen wird alles tun, um nicht
in den Transporter steigen zu müssen. Also wird es geprügelt und mit
Elektroschocks dazu gezwungen.
Nach einer
stundenlangen, manchmal auch tagelangen Fahrt, ohne Wasser und Futter,
zum erstenmal weg von der Mutterstute und eingesperrt mit viel zu vielen
anderen Pferden, landet das Fohlen erschöpft und oft verletzt am
Schlachthof.
Auch das Ende ist gnadenlos
Auf Europas
Hochleistungsschlachthöfen geht es um Effizienz, jeder Arbeiter soll
pro Minute ein Tier töten. Hier ist kein Platz für Mitgefühl und so
werden die Fohlen auch in ihren letzten Stunden nicht geschont. Die
Tiere bekommen alles mit, was mit ihnen geschehen soll, denn sie müssen
ihren Leidensgenossen zusehen. Wer einmal dabei war, wird das bezeugen.
In Panik verletzen sie sich, brechen sich die Beine, um schließlich den
Bolzenschußapparat angesetzt zu bekommen und mittels Kehlschnitts
umgebracht zu werden.
Im Oktober ist es
wieder so weit: Bitte helfen Sie uns, damit wir in Maishofen möglichst
viele Fohlen freikaufen können. Wir brauchen dafür dringend Geld.
In
wenigen Wochen brauchen wir möglichst viel Geld
Der traditionelle große Pferdemarkt in Maishofen/Pinzgau
steht vor der Tür. Dort werden wieder hunderte Haflinger- und
Norikerfohlen verschachert. Wir wollen diesmal nicht nur protestieren,
sondern möglichst viele Fohlen vor dem Schlachthof retten und
freikaufen. Die Fohlen sollen auf verschiedenen Gnadenhöfen oder privat
gut untergebracht werden. Ein Fohlen kostet rund 500 Euro und braucht
dann natürlich auch Futter, eventuelle Verletzungen müssen behandelt
werden. Natürlich kann sich unsere Arbeit nicht darauf beschränken,
Tiere freizukaufen. Das Problem muß auch an der Wurzel angepackt
werden: Beim bedingungslosen Züchten um des Profites Willen.
Bitte spenden Sie möglichst rasch und so großzügig
wie möglich.
Wir danken Ihnen von Herzen.
PSK Konto: 75.694.953,
BLZ 60000
Mit Ihrer Unterstützung und Spende kann Animal
Spirit
- Fohlen freikaufen
- Fohlen gut unterbringen
- Weitere Protestaktionen in Maishofen abhalten
- Politisch arbeiten, um in Zukunft die Zucht zu
beschränken und ein Exportverbot für Fohlen zu erreichen
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
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