
07. 04. 2010 - Beschämende Position Österreichs beim
Elefantenschutz
Die Biologin und Pro
Wildlife-Expertin, Daniela Freyer, nimmt kritisch Stellung zur
kontraproduktiven und scheinheiligen Position Österreichs zum
Elefantenschutz bei der letzten Monat abgehaltenen CITES-Artenschutz-konferenz in Dohar, Katar:
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"Ich möchte hiermit die Aussage von Umweltminister
Berlakovich in einer Pressemitteilung vom 25. März 2010, Österreich habe
sich dafür eingesetzt, daß die Schutzstufe für Elefanten nicht
aufgeweicht wird, richtig stellen: Dies trifft in keinster Weise zu, das
Gegenteil war der Fall.
Ich nehme für die Artenschutz-organisation Pro Wildlife seit 1997 an den
CITES Konferenzen teil. Öster-reich hatte auf früheren Konferenzen
grundsätzlich eine starke Artenschutz-Position vertreten. |
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Leider beobachten
wir in den letzten Jahren eine deutliche Kehrtwende der österreichischen
Position: Auf der vergangenen Konferenz hat sich der österreichische
Vertreter intensiv um eine Lockerung des Elefantenschutzes bemüht, obwohl in den betroffenen Ländern massive Probleme mit
Elefanten-Wilderei und illegalem Elfenbeinhandel bestehen. Bereits auf
der letzten Artenschutzkonferenz im Jahr 2007 hatte Österreich sich für
die Freigabe des Elfenbeinhandels eingesetzt!
Position Österreichs vor und während der
Artenschutzkonferenz 2010:
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Im
Oktober 2009 reichten Tansania und Sambia Anträge ein, um auf der
Artenschutzkonferenz im März 2010 ihre Elefantenbestände von CITES
Anhang I (Handelsverbot) in Anhang II (ermöglicht kontrollierten Handel)
herunter zu stufen. Ziel dieser Anträge war es, u.a. 89 (Tansania) bzw.
21 (Sambia) Tonnen Elfenbein aus Lager-beständen nach Japan und China zu
exportieren.
Bereits Ende 2009 informierten ver-schiedene Organisationen Österreich
und andere CITES-Vertragsstaaten über erhebliche Mißstände im
Arten-schutzvollzug in Tansania und Sambia. |
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Unter anderem identifizierten
DNA-Analysen großer Mengen beschlagnahmten Elfenbeins Sambia und
Tansania als Zentren der Wilderei und Quelle des illegalen
Elfenbeinhandels. 2009 wurde die Rekordmenge von 25 Tonnen illegalem
Elfenbein beschlagnahmt! Mehr als die Hälfte davon stammte aus Tansania.
Am 26. Oktober 2009 bestätigte ein im Auftrag von CITES erstellter
Bericht zum Ausmaß des illegalen Elfenbeinhandels u.a., daß Sambia und
Tansania illegal große Mengen Elfenbein exportierten und daß dort
organisierte Kriminalität im Elfenbeinschmuggel und Korruption
herrschen.
Bereits Ende 2009 ließen demnach alle vorhandenen Informationen keine
andere Schlußfolgerung zu, als daß beide Länder nicht über einen
„adäquaten Artenschutzvollzug“ verfügen. Dies ist allerdings bei CITES
(Resolution 9.24) fest verankerte Voraussetzung dafür, daß Arten bzw.
Bestände von Anhang I in Anhang II gestuft werden können.
Österreichs Position ist doppelzüngig und
scheinheilig:
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Trotz
der Vielzahl alarmierender Informationen veröffentlichte das
Lebensministerium am 18. Dezember „Österreichische Positionen für Ver-handlungen zur gemeinsamen EU Position in Brüssel“, die die Anträge
Tansanias und Sambias positiv be-werteten: „Grundsätzlich betrachten
wir die Kriterien für eine Herunter-listung als erfüllt … Der laut
Resolution 10.9
notwendige Sachverständigen-bericht muß jedoch erst abgewartet werden.“
Der österreichische CITES Delegierte, Dr. Max Abensperg-Traun,
bemühte sich in verschiedenen EU-Sitzungen vor und während der
Artenschutz-konferenz intensiv darum, eine Zustimmung der EU zu
einer Lockerung des Elefantenschutzes zu erreichen. |
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Zur Annahme von Anträgen
ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, und die EU ist mit ihren 27
Stimmen der einflußreichste Machtblock bei CITES.
Wenige Tage vor Beginn der Konferenz, am 5. und 11. März
2010 wurden die von CITES beauftragten „Sachverständigengutachten“
veröffentlicht, die insbesondere den Artenschutzvollzug in Tansania und
Sambia näher untersuchten. Diese neuen Berichte bestätigten einmal mehr
die erheblichen Mißstände in beiden Ländern. So wurde in Tansania in
drei Jahren der Elefantenbestand um 34.000 Tiere dezimiert, organisierte
Kriminalität und Korruption herrschen auf verschiedensten Ebenen. In
Sambia hat die Wilderei laut offiziellen
Zahlen in den letzten Jahren um das 2,5 fache zugenommen. In Sambia
leben heute nur noch etwa 26.000 Elefanten, dies sind nur 16 Prozent des
Bestandes von 1981. Von einer Überpopulation kann hiermit keine Rede
sein, vielmehr erfüllt der Bestand zweifelsfrei die CITES-Kriterien für
den Verbleib in Anhang I und das Fortbestehen des
Elfenbein-Handelsverbots.
Trotz der eindeutigen Faktenlage setzte sich der österreichische
Delegierte im Lauf der Konferenz weiterhin für eine Lockerung des
Elefantenschutzes ein! Innerhalb der EU konnte er sich hiermit zwar
nicht durchsetzen, ist aber mit verantwortlich dafür, daß sich die EU
bei der Abstimmung über die Herunterstufungs-Anträge Tansanias und
Sambias im Ausschuß 1 am 22. März lediglich enthielt und somit die
Annahme der Anträge riskierte. Dennoch
wurden beide Anträge auch ohne die Stimmen der EU in erster Instanz
abgelehnt. Sogar nach dem Scheitern der Anträge warb der
österreichische Delegierte am 22. und am 23. März noch immer für eine
Änderung der EU-Position und versuchte statt Enthaltung eine Zustimmung
zu erreichen. Am 25. März 2010 wurden die Anträge Tansanias und Sambias
jedoch erneut ohne die Stimmen der EU abgelehnt.
Die folgende Stellungnahme von Minister Berlakovich in einer
Pressemitteilung vom 25. März 2010 entspricht demnach nicht der
Wahrheit: „Österreich hat sich gemeinsam mit der EU basierend
auf wissenschaftlichen Studien dafür eingesetzt, dass die Schutzstufe
für afrikanischen Elefanten nicht, wie von beiden Ländern beantragt,
aufgeweicht wird.“ Vielmehr war Österreich treibende Kraft für
eine Aufweichung des Schutzstatus und ist mitverantwortlich, daß sich
die EU in dieser wichtigen Frage lediglich enthielt. Nur der
Ablehnung zahlreicher anderer CITES Vertragsstaaten, einschließlich der
großen Mehrheit afrikanischer Länder mit Elefantenbeständen, ist es zu
verdanken, daß die Anträge Tansanias und Sambias scheiterten.
Bei Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung."
Dipl. Biologin Daniela Freyer, Pro Wildlife e.V.
daniela.freyer@prowildlife.de
www.prowildlife.de
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