
22. 03. 2003 - Ich wollt', ich wär' ein Huhn ...
Als der Text dieses alten Schlagers geschrieben wurde,
scheint ein Hühnerleben noch attraktiv gewesen zu sein. Heute sind Hühner,
die einigermaßen artgerecht leben können, eine Seltenheit. Aber wie
sieht ein artgemäßes Hühnerleben aus? Was sind das überhaupt für Tiere?
Unser Huhn stammt vom Bankiva-Huhn aus Südostasien ab. An seinem natürlichen
Verhalten hat sich seither nicht viel geändert. Hühner leben in kleinen
Gruppen mit stabiler Rangordnung. Den Großteil des Tages sind sie mit
Picken und Scharren beschäftigt, nachts schlafen sie auf Ästen oder
Sitzstangen. Nur zum Eierlegen entfernt sich die Henne von der Gruppe,
sucht ein ruhiges Plätzchen als Nest, bildet eine Mulde und legt ihr
Ei ab. Die Nestsuche findet mit großer Sorgfalt statt. Manchmal nutzen
mehrere Hennen auch ein Gemeinschaftsnest, die brütigste Henne brütet
dann alle Eier aus.
Hühner sind sehr soziale Wesen, schon die ungeschlüpften
Küken kommunizieren durch die Schale miteinander. Die Küken bilden mit
der Henne einen Sozialverband und entwickeln sich sehr rasch. Schon
nach wenigen Tagen picken und scharren sie wie die Henne und folgen
ihr abends zu den erhöhten Schlafplätzen. Nach 50 bis 65 Tagen verstößt
die Glucke ihre Kinder - sie sind dann reif fürs Leben.
Die natürliche Lebenserwartung eines Huhns beträgt 15-20
Jahre. Davon können die heutigen Hochleistungshennen aber nur träumen.
(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)
Die "Erzeugung" von Legehennen
Legehennen sind eine spezielle Züchtung und werden in vollklimatisierten
riesigen Brutkästen ausgebrütet. Aufgrund der gleichmäßigen Bedingungen
schlüpfen viele Küken gleichzeitig, auf jene, die es nicht schaffen,
wird keine Rücksicht genommen. Sie werden mit den restlichen Eierschalen
zermust und zu Tierfutter verarbeitet. Alleine im Jahr 2002 starben
auf diese Weise in Österreich Millionen ungeschlüpfte Küken. Den anderen
ergeht es allerdings auch nicht viel besser. Zunächst werden alle männlichen
Küken aussortiert, vergast oder einfach lebend in Mülltonnen geworfen,
wo sie erdrückt werden oder ersticken. Den Hennen-Küken wird mit einem
heißen Messer die Schnabelspitze abgeschnitten, damit sie sich später
im Käfig nicht zu stark verletzen können. Das Abschneiden tut weh, denn
im Hühnerschnabel laufen empfindliche Nerven zusammen. Danach werden
die Küken verpackt und in Aufzuchtbetriebe verschickt, wo sie bis zur
Legereife im Alter von fünf Monaten bleiben. Dann geht es für die meisten
ab in den Batteriekäfig.
Lebenslänglich im Käfig
Von knapp sechs Millionen Legehennen in Österreich werden 3,5 Millionen
immer noch in Käfigen gehalten. Die durchschnittliche Legezeit eines
Batteriehuhns beträgt 12 bis 14 Monate. Durch ein spezielles Kraftfutter
und bis zu 20 Stunden Kunstlicht, das permanenten Frühling vorgaukelt
werden die Hühner zu Höchstleistungen gezwungen*. Die Lobby der Batteriebetreiber
meint dazu lediglich zynisch "dass sich die Hühner offensichtlich sehr
wohl fühlen, da sie doch so viele Eier legen". Den Hühnern geht es natürlich
alles andere als gut. Ein einziges Ei wiegt 3% des Gesamtgewichtes einer
Henne. Entsprechend anstrengend ist das häufige Eierlegen für den Organismus.
Die Knochen werden sehr brüchig, oftmals zerbrechen auch die Eier im
Inneren der Tiere, die dann jämmerlich verbluten.
In "modernen" Anlagen sind die Batteriekäfige in 6 bis
8 Etagen gestapelt und in riesigen Lagerhallen untergebracht. Wenn Tiere
sterben, bleiben sie oft tagelang unentdeckt im Käfig liegen, weil diese
nicht täglich kontrolliert werden. Der Boden der Käfige ist ein dünnes,
geneigtes Drahtgitter, damit die Eier abrollen können, von Streu oder
Sitzstangen natürlich keine Spur. Die Tiere leben auf engstem Raum ohne
Sonnenlicht, können keine Nester bauen, können nicht Scharren. Kein
Wunder, dass die Tiere Verhaltensstörungen aufweisen, Aggressionen,
Panik und Kannibalismus sind an der Tagesordnung.
Hat die Legehenne ausgedient, endet sie als Suppenhuhn
oder als Katzenfutter.
* Batteriehuhn: 240 bis 300 Eier/Jahr Normales Bauernhuhn: ca. 100 Eier/Jahr
Wildhuhn: 30 bis 40 Eier
Platz ist in der kleinsten Hütte?
Aber nicht im Batteriekäfig. Dabei hat die EU am 1. Jänner 2003 "großartige
Verbesserungen" für die Batteriehühner in Kraft gesetzt. Laut EU-Richtlinien
muss ein Huhn im Käfig jetzt 550 cm2 Platz haben, das ist immer noch
weniger als ein A4-Blatt. Vorher waren es nur 450 cm2. In naher Zukunft
ist mit einem erträglicheren Hühnerleben in Batteriekäfigen auch nicht
zu rechnen. Erst ab 2012 ist eine Fläche von 600 cm2 pro Huhn (noch
immer kleiner als A4) und eine Sitzstange vorgeschrieben!
Wir fordern: Schluss damit!
Animal Spirit fordert ein generelles Verbot der Käfighaltung von Hühnern
in Österreich. Damit sie in Zukunft auch in Niederösterreich, Oberösterreich,
im Burgenland und in der Steiermark verboten ist, brauchen wir ein einheitliches
Bundestierschutzgesetz. Die Schweiz, in der ein Verbot für Käfighaltung
bereits seit 1991 in Kraft ist, sollte uns Vorbild sein. Auch in Deutschland
wurde 2001 beschlossen, die Käfighaltung generell zu verbieten. Und
sogar in Holland, dem größten Schaleneierexporteur Europas, wird ein
Verbot ernsthaft überlegt. Österreich erfüllt derzeit aber noch nicht
einmal die von der EU vorgeschriebenen Mindeststandards. Deshalb hat
die Europäische Kommission auch ein Verfahren gegen Österreich und vier
weitere Länder (Belgien, Italien, Griechenland und Portugal) eingeleitet.
Eierkauf mit gutem Gewissen
Die Bezeichnungen "Freilandhaltung" oder "Bodenhaltung" sind nicht ausreichend.
Achten Sie beim Einkaufen bitte unbedingt auf die Hinweise "Tierschutzgeprüft"
und "Aus Freilandhaltung". Diese Kennzeichnung garantiert, dass jedes
Huhn mindestens 10m2 Auslauf ins Freie hat, maximal 6 Hühner pro m2
Stallfläche gehalten werden, dass es eingestreute Nester für die Hühner
gibt, Tageslicht und erhöhte Sitzstangen im Stall. Das Zertifikat "Tierschutzgeprüft"
wird seit 1995 von der "Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung"
vergeben, an deren Einrichtung Dr. Plank maßgeblich beteiligt war. Es
werden sowohl die Betriebe als auch Stichproben der Eier geprüft. Unter
einer UV-Lampe werden die Eier auf die typischen Abrollspuren aus Legebatterien
begutachtet. Als KonsumentIn haben Sie es in der Hand, die artgerechte
Hühnerhaltung zu fördern, indem Sie beim Einkauf auf die richtig gekennzeichneten
Eier Wert legen.
Happy End Am Hendlberg
Immer wieder befreien wir von Animal Spirit Hühner aus Legebatterien.
Diese Tiere - derzeit über 100 - leben bis zu ihrem natürlichen Ende
bei uns am Gnadenhof Arche Noah. Für uns ist es jedesmal ein Erlebnis,
die Genesung dieser armen Lebewesen zu beobachten, die mehr tot als
lebendig bei uns ankommen. Am Anfang kauern die nackten verstörten Hühner
noch in einer finsteren Stallecke zusammen, brauchen oft Tage, bis sie
von ihrer neuen Freiheit Gebrauch machen. Aber fast alle schaffen es.
Irgendwann nehmen sie ihr normales Verhalten wieder an - mit Picken,
Eier in Strohnester legen und dem Schlafen auf den Sitzstangen. Unsere
Hühnerschar am Hendlberg wird von den zwei Hähnen Emil und Egon angeführt,
die stolz ihre Pflichten wahrnehmen und die Gruppe zusammenhalten (neuerdings
unterstützt von acht befreiten Junghähnen). Morgens stürzen die Hühner
begeistert ins Freie, erkunden die Umgebung, nehmen Sonnenbäder, picken
und scharren nach Herzenslust. Abends finden sie sich wieder im warmen
Stall ein, wo sie auch vor nächtlichen Räubern sicher sind.
Übrigens: Die Patenschaft für ein gerettetes Huhn
am Hendlberg kostet nur 5,-Euro / Monat.
Für unsere Aktivitäten benötigen
wir Ihre Spende
Durch Lobbyarbeit in Österreich und in der EU, Informationsstände für
KonsumentInnen, sowie gewaltfreie Protest- und Befreiungsaktionen wollen
wir den Batteriekäfigen ein Ende machen. Ihre Spende hilft uns dabei.
Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für den Tierschutz!
Herzlichen Dank!
Rückfragehinweis: Dr. Franz-Joseph
Plank, Obmann Animal Spirit, 0676/7082434
Animal Spirit
Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112
3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Fax: +43 (0) 2774/29 331
email: office@animal-spirit.at
Spendenkonto: PSK, BLZ 60.000, Kto. 75.694.953
A: PSK, BLZ 60000, Kto: 75.694.953
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