
09. 03. 2005 - Jagd im Internet
Wie pervers muss unsere Gesellschaft noch werden, bis sie
sich, einem Fellini-Film gleich, selbst auslöscht?!
„Live-Shot”
Tiere
töten im Internet
Von Karen Krüger
08. März 2005
Das Internet ist um eine Perversion reicher: Der
texanische Unternehmer John Lockwood hat eine Internetseite,
www.live-shot.com, ins Leben gerufen,
auf der die Nutzer demnächst per Mausklick und ferngesteuerte
Schießvorrichtung afrikanische Steinböcke, Antilopen und Wildschweine
auf seiner privaten Jagdranch in San Antonio in Echtzeit schießen können
- ganz bequem und ohne sich zu Hause aus dem Sessel zu bewegen. Ihre
Treffer aber sind echt.
Für eine Aufnahmegebühr von fünfzehn Dollar gibt der
Bildschirm dem Nutzer den Blick durch eine steuerbaren Kamera frei, die
Bilder vom Gelände des Jagdreviers übermittelt. Gleichzeitig dient die
Kamera als Zielfernrohr. Befindet sich ein Tier im Fadenkreuz der
Kamera, dann wird per Mausklick ein Gewehr aktiviert, das auf einer
Schießvorrichtung im Gelände direkt nebem dem Computer installiert ist
und den Bewegungen der Kamera folgt.
Zwanzig Minuten für zehn Schuß
Für zehn Schuß
stehen den Online-Jägern maximal zwanzig Minuten zur Verfügung. Um zu
verhindern, daß die Nutzer auf Tiere zielen, die nicht im
(sicherheitshalber) bebilderten Online-Jagdkatalog von Lockwood
aufgeführt sind, überwacht ein Mitarbeiter vor Ort den Schießvorgang.
Beim
texanischen Jägerverband „Texas Wildlife Association” stößt die
Geschäftsidee auf Widerstand. „Der Gedanke, vom Bildschim aus eine
ferngesteuerte Waffe wie bei einem Computerspiel zu bedienen, hat nichts
mehr mit der herkömmlichen Jagd zu tun”, äußerte sich Kirby Brown, der
Direktor der Organisation gegenüber dem Online-Magazin „Technology.Review”:
„Das ist außerhalb jeder ethischen Norm.” Auch die texanische
Vereinigung für Wildtiere übt Kritik und bereitet einen Gesetzentwurf
vor, der das Jagen von Wildtieren mit ferngesteuerten Waffen verbieten
soll.
Übliche Jagdpraxis
John Lockwood,
der Betreiber von „Live-Shot”, versteht die Aufregung um seine Seite
hingegen nicht. Seiner Ansicht nach unterscheidet sich das Töten der
Tiere vom Computerbildschirm aus wenig von der in Texas üblichen
Jagdpraxis, das Wild mit mechanisch betriebenen Futtervorrichtungen
anzulocken und es dann von einem Hochstand aus zu erschießen.
Außerdem, so
Lockwood, ermögliche das Jagen über das Internet auch körperbehinderten
Jägern sowie Soldaten im Auslandseinsatz, ihrer Jagdleidenschaft
weiterhin nachzugehen. Ist ein Tier geschossen, dann soll das Fleisch
dem Jäger per Versand zugeschickt werden. Auch das Präparieren von
Jagdtrophäen, wie einem Antilopengeweih, stellt die Internetseite in
Aussicht. Was jedoch mit Tieren passiert, die lediglich verletzt und
nicht gleich getötet werden, darüber schweigt sich Lockwood aus.
„Geführte Jagdtour”
„Das Jagen über
die Homepage meines Jagdreviers ist nichts anderes, als bezahlte man für
eine geführte Jagdtour auf meinem Revier. Seit die Menschheit aufgehört
hat, bei der Jagd hinter Tieren herzurennen und die Beute mit bloßen
Händen zu töten, hat sich das Jagen immer weiter vom Tier distanziert
und ist effizienter geworden.” Im Jahr 2001 stellte der Staat Washington
das Jagen mit Robo-Duck, einer künstlichen Ente zum Anlocken von
Artgenossen, unter Strafe. Der Einsatz der Ente, so das Urteil, verstoße
gegen das Gebot der Fairness.
Von solchen
Argumenten läßt Lockwood sich nicht beirren. Und träumt statt dessen vom
ultimativen Glück eines jeden bewegungsunwilligen Jägers: dem Einsatz
von Laserwaffen.
Rückfragehinweis: Dr. Franz-J. Plank, (+43) 0676/7082434
Animal Spirit -
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Am Hendlberg 112
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