
16. 01. 2003 - Die
Frage zur JASPOWA-Jagdmesse: Ist die Jagd heute noch zeitgemäß?
Vom 16.-19.1.2002 findet im Wiener Messezentrum die "Jaspowa"
- Messe für Jagd, Sport und Waffen statt. Zur heutigen Eröffnung um
11 Uhr werden u.a. auch Dr. Christian Konrad, Landesjägermeister von
NÖ, sowie Umweltminister Mag. Wilhelm Molterer sprechen. Der Untertitel
der Messe: "Internationale Fachmesse für Jäger, Fischer und Naturliebhaber".
Sind Jäger wirklich Naturliebhaber, wie sie bei jeder sich bietenden
Gelegenheit von sich selber behaupten, um die ihre Lust am Töten zu
rechtfertigen?

Im Folgenden einige der gängigsten Jagd-Lügen und deren
Widerlegung durch den Anti-Jagd-Experten Dag Frommhold:
Lüge 1: Ohne Jagd nehmen Wildtiere
überhand
FALSCH. Wie in vielen biologischen Untersuchungen nachgewiesen werden
konnte, regeln sich die Bestände wildlebender Tiere durch soziale Mechanismen
und Nahrungsangebot selbständig. Bei Füchsen beispielsweise bekommt
in jagdfreien Gebieten nur ein kleiner Teil der Füchsinnen Nachwuchs,
um die Populationsdichte nicht unnötig ansteigen zu lassen. "Geburtenkontrolle
statt Massenelend" nannten namhafte Forscher dieses Phänomen. Wo Füchse
jedoch gnadenlos verfolgt werden, steigt die Anzahl trächtiger Füchsinnen
drastisch an, wodurch die Verluste rasch wieder ausgeglichen werden.
Lüge 2: Jagd schützt die Bevölkerung
vor Tollwut und anderen Wildtierkrankheiten
FALSCH. Genau das Gegenteil ist der Fall - so führt Jagd beispielsweise
zu einer beschleunigten Ausbreitung der Tollwut. Jagd kann die Gesamtzahl
an Füchsen nicht reduzieren (s.o.), die steigende Geburtenrate führt
jedoch zu einer höheren Zahl an Jungfüchsen. Diese Jungfüchse wandern
im Herbst aus dem elterlichen Revier ab, um sich ein eigenes Zuhause
zu suchen - und begegnen auf ihren langen Wanderungen vielen Artgenossen,
was sie zu idealen Tollwutüberträgern macht. Je mehr Füchse man tötet,
desto rascher breitet sich daher die Tollwut aus. Zudem tragen Jäger,
die (unerlaubterweise) Schlachtabfälle zum Anlocken von Beutegreifern
verwenden, dazu bei, daß Seuchen von Hausschweinen - wie z.B. die Schweinepest
- in die freie Wildbahn getragen werden.
Lüge 3: Die jagdliche Hege ist
ein Beitrag zum Tier- und Naturschutz
FALSCH. Die jagdliche "Hege" dient in erster Linie dem Ziel, eine möglichst
große Anzahl möglichst prächtiger Tiere zum Abschuß zur Verfügung zu
haben. Darunter haben zunächst einmal alle Lebewesen zu leiden, die
diesem Ziel zuwiderlaufen - Beutekonkurrenten wie Fuchs und Marder etwa,
die im Rahmen der "Hege mit Flinte und Falle" erbarmungslos verfolgt
werden. Manche Tierarten - wie etwa Rehe oder Wildschweine - werden
von Jägern gezielt gefüttert. Dadurch werden einerseits die Abschußchancen
maximiert, andererseits aber auch künstlich überhöhte Wilddichten geschaffen.
Die resultierenden Schäden in der Forst- und Landwirtschaft werden dann
zum Anlaß genommen, nach höheren Abschußzahlen für das sogenannte Schalenwild
zu rufen.
Lüge 4: Jagd ist notwendig, um
Schäden der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden
FALSCH. Durch die massive Fütterung von Rehen, Hirschen und Wildschweinen
im Rahmen der jagdlichen "Hege" tragen die Jäger ja gerade dazu bei,
die Populationsdichten dieser Tierarten künstlich auf hohem Niveau zu
halten. Hege schafft also die vermeintliche Notwendigkeit der Jagd auf
Reh, Hirsch und Wildschwein erst. Abgesehen davon, macht Jagd die Tiere
scheu und zwingt sie in die Deckung des Waldes. Dadurch kommen Rehe
und Hirsche oftmals erst mit den jungen Bäumen, an denen sie Schäl-
und Verbißschäden anrichten, in Kontakt. Doch je mehr Schäden entstehen,
desto intensiver werden die Rufe nach schärferer Bejagung.
Lüge 5: Jäger schützen bedrohte
Tierarten
FALSCH. Selbst Wildtiere wie der Feldhase, die nach Einschätzung führender
Wissenschaftler als bestandsbedroht einzustufen sind, werden von der
Jägerschaft nach wie vor zu Hunderttausenden erschossen. Außerdem behaupten
Jäger, sie müßten Füchse und andere Beutegreifer mit Flinte und Falle
verfolgen, um deren Beutetiere vor dem Aussterben zu bewahren. Doch
genau das Gegenteil ist der Fall. Dadurch, daß Füchse vor allem schwache
und kranke Tiere erbeuten, halten sie beispielsweise Hasenbestände fit
und gesund. Darüber hinaus setzen Jäger faunenfremde Tiere wie Fasanen
zu Jagdzwecken aus. Diese Arten stellen eine nur bedingt kalkulierbare
Bedrohung für die einheimische Fauna dar - mancherorts wurde etwa das
bestandsbedrohte Birkhuhn durch den Fasan verdrängt. Zu guter Letzt
darf man nicht vergessen, daß die Jagd selbst häufig nicht selektiv
ist - Fallen beispielsweise töten wahllos, egal, ob es sich bei dem
Opfer um einen Marder, ein Eichhörnchen oder eine Hauskatze handelt,
und auch bei der Jagd mit dem Gewehr ist nicht immer klar, wer oder
was das Opfer ist. Wie sonst wären die zahlreichen Jagdunfälle ("Jäger
verwechselt Soldat mit Wildschwein") und "versehentlichen" Abschüsse
von Haus- und Weidetieren zu erklären?
Zusatz: In Österreich konnte nachgewiesen werden, daß
es sich beim illegalen Auslegen der violetten Giftköder, durch die nicht
nur Hunde und Katzen grausam verenden, sondern auch vom Aussterben bedrohten
Tierarten, wie Bartgeier oder Seeadler, um Jäger gehandelt hat.
Lüge 6: Jagd ist ein erhaltenswertes
Kulturgut
FALSCH. Jagd hat ohne jeden Zweifel eine jahrhundertealte Tradition
- eine Tradition voller Blutvergießen, Grausamkeit und sinnloser Qual.
Mittelalterliche Jagdarten, bei denen beispielsweise Füchse bis zu ihrem
qualvollen Tod wieder und wieder in die Luft geschleudert, oder Rehe
und Hirsche in Massen gefangen und anschließend in abgegrenzten Arenen
von adligen Schützen hingerichtet wurden, sind schon vor geraumer Zeit
verboten worden. Auch andere traditionsreiche, aber ethisch fragwürdige
Praktiken wie Hexenverbrennungen oder Sklaverei wurden längst als anachronistisch
erkannt und von der modernen Gesellschaft über Bord geworfen. Wie die
Geschichte zeigt, muß mit überkommenen Traditionen manchmal gebrochen
werden, wenn sie ethisch-moralischem Fortschritt im Weg stehen.
Lüge 7: Jäger sind tier- und naturliebende
Menschen
FALSCH. Jäger wurden sowohl in Europa als auch in den USA schon psychologischen
und soziologischen Untersuchungen unterzogen und hinsichtlich verschiedener
Aspekte mit Nichtjägern verglichen. Die Ergebnisse zeigen eindeutig,
daß Jäger keinesfalls eine höhere Naturverbundenheit aufweisen als Nichtjäger,
Themen des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes eher negativ gegenüberstehen
und ganz deutlich eine höhere Tendenz zu aggressiven Verhaltensweisen
zeigen. Die jägerische "Tier- und Naturliebe" erfreut sich nicht am
Dasein des geliebten Objekts; vielmehr zielt sie darauf ab, das geliebte
Wesen mit Haut und Haar zu besitzen, und gipfelt darin, es durch den
Akt des Tötens zur Beute zu machen. Nirgendwo zeigt sich dies deutlicher
als in den Jagderzählungen, die in praktisch jeder Ausgabe der gängigen
Jagdzeitschriften zu finden sind.
Lüge 8: Die "Waidgerechtigkeit"
sorgt dafür, daß bei der Jagd alles "fair" zugeht
FALSCH. Die "Waidgerechtigkeit" ist ein ungeschriebenes Gesetz, dessen
Inhalt die Jäger unter sich ausmachen. Dadurch, daß dieser Terminus
Eingang in die Tierschutzgesetzgebung gefunden hat, ist praktisch alles
legal, was die Jäger, die oft selber noch als Gesetzgeber agieren, beschlossen
haben. Jägern werden damit Verhaltensweisen gestattet, die bei jedem
anderen Menschen sofort zu einem Verfahren wegen Verstoßes gegen das
Tierschutzgesetz führen würden. Mit "Gerechtigkeit" hat die "Waidgerechtigkeit"
nur wenig zu tun. Während es verpönt ist, das "edle" Hochwild an der
Fütterung zu erschießen, hat kein Jäger Skrupel, dasselbe mit dem verhaßten
Beutekonkurrenten Fuchs zu tun. Bei einer Treibjagd darf allerdings
nur der Jäger ein verletztes Tier endgültig töten, der es zuvor auch
angeschossen hat - mit dem Resultat, daß so mancher Hase oder Fuchs
sich stundenlang blutend in unerträglichen Schmerzen winden muß, bevor
man ihn schließlich umbringt.
Lüge 9:Der Abschuß freilaufender
Haustiere ist zum Schutz der Wildtiere erforderlich
FALSCH. Nur ein geradezu lächerlich kleiner Teil der "jagdbaren" Tiere
fällt Hunden und Katzen zum Opfer. Dennoch haben Jäger das Recht, im
Rahmen des sogenannten "Jagdschutzes" vermeintlich wildernde Hunde und
Katzen zu erschießen - im Falle von Katzen bereits dann, wenn sie sich
nur wenige hundert Meter vom nächsten bewohnten Haus befinden. Offensichtlich
macht die Jägerschaft davon regen Gebrauch. Zwar werden keine offiziellen
Abschußstatistiken geführt, doch wird die Anzahl jährlich von Jägern
getöteter Haustiere auf 350.000 bis 600.000 Katzen und 30.000 bis 60.000
Hunde geschätzt.

Lüge 10: Jäger töten angst- und
schmerzfrei
FALSCH. Die Jagdzeitschriften sind voll von Berichten über sogenannte
Nachsuchen, bei denen Tiere zuerst nur angeschossen und schließlich
nach oft stundenlanger Verfolgung getötet werden. Schätzungen zufolge
treffen zwei Drittel aller jagdlichen Projektile ihr Ziel, ohne es zu
töten! Praktisch alle Jagdarten sind grausam. Ein besonders übles Beispiel
ist etwa die Baujagd: Dabei sollen Füchse mit auf Schärfe abgerichteten
Hunden aus ihrem Bau vor die Flinten wartender Jäger gehetzt werden.
Jungfüchse werden in Gegenwart ihrer entsetzten Eltern vom Jagdhund
zerfleischt; manche Füchse lassen sich in ihrer Verzweiflung auf Kämpfe
mit dem Hund ein, was nicht selten zum Tod beider führt. Im Hinblick
auf die Jagd mit angeblich "sofort tötenden" Schlagfallen gibt es Studien,
die nachweisen, daß ein Großteil der darin gefangenen Tiere an Pfoten,
Schwanz oder Körper schwer verletzt werden, und mehr als 20 Prozent
der Fallenopfer entkommen mit Laufverstümmelungen. Nicht zu vergessen
sind natürlich auch die allherbstlichen Treibjagden: Voraussetzung für
den Erfolg einer Treibjagd ist die panische Angst der gejagten Tiere,
um sie zur Flucht aus dem für sie zunächst sicheren Versteck zu bewegen.
Lüge 11: Jagd ist eine "nachhaltige
Nutzung" von Wildtieren
FALSCH. Der größte Teil der getöteten Tiere wird keiner wie auch immer
gearteten Nutzung zugeführt. Jagd und Hege sind in erster Linie Selbstzweck;
Jäger genießen vielmehr das Töten und Beutemachen, wie sie in den gängigen
Jagdzeitschriften auch immer wieder deutlich machen. Niemand muß heute
mehr Fuchs- oder Marderpelze tragen, um sich warmhalten zu können, und
auch Wildfleisch ist aus ökologischer wie ökonomischer Perspektive vollkommen
verzichtbar. Wir dürfen nicht vergessen, daß es sich bei jenen Tieren,
die wir so arrogant und ignorant als "jagdbar" bezeichnen, um lebende,
fühlende, beseelte Individuen mit einem Interesse an Leben und Unversehrtheit
handelt. Es gibt keinen vernünftigen Grund, diese Lebewesen einer rücksichtslosen
Verfolgung durch von egoistischen Interessen getriebene Hobbyjäger auszusetzen.
Die Abschaffung der Jagd ist somit längst überfällig.
Dr. Franz-Joseph Plank, Tel. 0676/7082434
Animal Spirit Zentrum für Tiere in Not
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