
19. 09. 2003 - Das Leiden der Lämmer
Auf dem Markt von Perth in Schottland
hat das Leben dem Lämmchen Rosy einen üblen Streich
gespielt. Es ist verkauft worden. Aber nicht an einen Bauern aus der
Umgebung, dessen Frau aus Rosys Wolle dicke Socken stricken wollte.
Rosy wurde mit 700 anderen Lämmern versteigert. Die Tiere sind ein
gutes halbes Jahr alt und bringen ihren Besitzern je 60 Pfund ein, das
sind 90 Euro.
(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)
Was wird Rosy dann gefühlt haben, als
sie sich wenig später in einem dreistöckigen Transporter wiederfand?
Mit 400 Schafen so eng eingesperrt, dass sie nicht einmal umfallen kann,
wenn der Wagen plötzlich bremst. Rosys erste Fahrt geht nach Dover, wo
im Hafen schon ein Schiff wartet.
Die Lämmer werden aufs Festland
verfrachtet und machen Zwischenstation in Holland. Mittlerweile sind
viele Stunden vergangen. Beim Ausladen sind einige Tiere schon so geschwächt,
dass sie nur noch torkeln, andere husten mit blutigem Auswurf, zwei
bleiben tot liegen. Rosy hat durchgehalten.
Rosy hält weiter durch, als sie im holländischen
Schaftransporter nach Italien gekarrt wird. Die Schafe sind wieder auf
drei Ladeebenen untergebracht und am Verdursten. In Brindisi wird der
Transporter auf ein Schiff verladen, Rosy liegt inzwischen bis zum Bauch
im Urin und Kot ihrer Leidensgenossen.
Nach 20 Stunden Überfahrt landen die
Schafe im Hafen von Patras. Jetzt kommt die Fahrt zum Schlachthof bei
Athen. Rosy wird dort aber nichts mehr geschehen. Wie die vielen anderen
toten Schafe aus der untersten Ladeebene wird Rosy weggeworfen. Das
muntere schottische Lämmchen ist nach einer wahren Höllenfahrt auf
einer Mülldeponie in Griechenland gelandet.
Rosy ist eines von 416 Millionen Tieren,
die jährlich durch Europa transportiert werden. Animal Spirit will
dem Leid dieser Tiere ein Ende bereiten.
Jährlich werden 416 Millionen Tiere
innerhalb Europas oder über die Grenzen in Drittländer transportiert.
Neun Millionen Schweine, vier Millionen Rinder, drei Millionen Schafe,
400 Millionen Geflügeltiere und mehr als 100.000 Pferde aus Osteuropa
sind unterwegs. Die übliche Fahrtdauer
internationaler Tiertransporte liegt zwischen 50 und 90 Stunden. Pferde,
die von Litauen nach Sardinien transportiert werden, sind 100 Stunden im
Transporter, Rinder, die in den Nahen Osten verfrachtet werden, gar eine
ganze Woche.
Zwar gibt es geltende EU-Richtlinien,
die den Transport von Tieren ohne Entladung festlegen, aber diese werden
kaum kontrolliert. Erlaubt wären für Rinder 29 Stunden, für Schweine
und Pferde 24 Stunden, für Kälber und Lämmer 19 Stunden. Wird doch
kontrolliert und ein Verstoß festgestellt, sind die Strafen eine
Bagatelle und wirken keinesfalls abschreckend. Eine Einhaltung der
geltenden EU-Richtlinien wird aber auch praktisch verhindert: entlang
der europäischen Hauptverkehrsrouten gibt es kaum geeignete
Entladestationen für Ruhepausen.
„Nette” Gesetze, tonnenweise
Ausnahmen
Im November 2001 hat das EU-Parlament
eine Gesetzesinitiative eingebracht, nach der bei Lebendtiertransporten
eine Dauer von 8 Stunden und eine maximale Strecke von 500 Kilometern
nicht überschritten werden dürften. Im Juli 2003 legte die
EU-Kommision schließlich folgenden völlig unzureichenden Vorschlag auf
den Tisch: Auf neun Stunden Fahrt sollen zwölf Stunden Ruhe folgen.
Aber eben nicht einmalig, sondern beliebig oft hintereinander. Auch
„leicht verletzte” Tiere dürften laut des Vorschlags transportiert
werden. Für alle TierfreundInnen eine unerträgliche Zumutung.
Außerdem wurde eine Einstellung der
Exportsubventionen für Lebendtiertransporte in Drittstaaten
beschlossen. Aber durch unzählige Ausnahmeregeln, die ebenfalls die
EU-Kommission festlegt, sind diese Gesetze völlig wirkungslos. Es gibt
so viele Ausnahmen, dass die Exportsubventionen für Rinder von 2002 bis
2003 sogar von 58 auf 67 Millionen Euro gestiegen sind!
„Viehanhänger
mit Kälbern umgekippt”
„Tiertransporter
in Brand geraten”, „Pferdetransporter auf die A2 gestürzt”, „Hühner
auf der Autobahn” – immer wieder hören wir in den Nachrichten
derartige Meldungen.
Als ob Tiertransporte nicht schon
grausam genug wären, werden Transporter mit lebenden Tieren im Wahnsinn
des europäischen Verkehrs tagtäglich in Unfälle verwickelt.
Die
deutsche Tierschutzorganisation „Animals’ Angels” hat eine
erschreckende Statistik erstellt. Im Jahr 2002 stieg die Zahl der bei
Unfällen getöteten Tiere auf über 50.000, betroffen waren 130.000
Tiere.
Warum sind Tiertransporte so lukrativ?
Weil mit EU-Geldern in strukturschwachen
Gebieten Großschlachthöfe gebaut wurden (z.B. in Sizilien), die mit
niedrigen Preisen locken, damit sie ausgelastet sind. Kleine regionale
Schlachthöfe sperren deshalb vermehrt zu.
Weil Tiere in einem Land billig gekauft
werden, um dann in einem anderen Land geschlachtet und dort als
„heimisches” Produkt verkauft zu werden.
Weil in manchen EU-Ländern – z.B. in
Spanien – aufgrund viel zu lockerer Tierschutzgesetze Haltungsformen
der Tiermast erlaubt sind, die bei uns verboten sind.
„Geboren/geschlachtet in Österreich” kann heißen, dass ein österreichisches
Kalb in 70 Stunden nach Spanien verfrachtet wird, dort in Rekordzeit gemästet
wird, um danach wieder als Schlachttier nach Österreich gebracht zu
werden.
Weil die EU-Subventionen weiter
zugunsten der Massentierhaltung, der Tierhändler und Frächter-Lobby
fließen und fließen ...
Weil die Gewinnspannen zwischen Ein- und
Verkauf jeder Beschreibung spotten. Ein lebender Esel kostet in der
Ukraine genau so viel wie ein Kilo Eselfleisch in Italien. Deshalb sind
Esel aus der Ukraine oder Pferde aus Weißrussland sechs Tage nach
Sardinien unterwegs. Und deshalb landen Schafe aus Spanien nach fünf
qualvollen Tagen im Transporter in Griechenland.
Es ist empörend. Bitte helfen Sie
Animal Spirit, diese Zustände zu beenden! In Österreich ist das Bewusstsein der
Öffentlichkeit für die grausamen Tiertransporte vor allem wegen der
Arbeit vieler TierschützerInnen sensibilisiert. Deshalb wurde bei uns
bisher auch strenger kontrolliert. Internationale Tiertransporteure
meiden Österreich seit Jahren und weichen auf die berüchtigte Ostroute
(Polen-Tschechien-Slowakei-Ungarn-Slowenien-Italien) aus. Noch ... Denn
das Innenministerium will im Zuge der Auflösung der Zollwache
Einsparungen vornehmen und jetzt alle Kontrollen einstellen. Das darf
nicht sein!
Animal Spirit verstärkt auch die
Zusammenarbeit mit Tierschutzorganisationen in Osteuropa, um dort
gemeinsam zu recherchieren und Aktionen durchzuführen. Am 1. Juli und
am 27. August kam es zu großen Aktionen in Chotebuz an der
tschechisch-polnischen Grenze: Unter der Führung der tschechischen
Tierschutzorganisation OHZ beteiligten sich über 100 tschechische und
österreichische Tierschützer. Nur durch einen weiteren Ausbau dieser
Zusammenarbeit können wir auch die Menschen im Osten wachrütteln. Die
Ostroute muss für die Transporteure so schnell wie möglich unattraktiv
werden.
Bitte helfen Sie uns, das zu erreichen!
Auch in Österreich herrscht Handlungsbedarf!
Das sogenannte „Tiertransportgesetz
Straße 1995” ist an sich beispielgebend. Es sieht eine maximale Dauer
von sechs Stunden und eine maximale Transportstrecke von 260 Kilometern
vor. Doch die Regierung will dieses Gesetz nun im Schnellverfahren zerstören
und die Kilometer- und Zeitbeschränkung aufheben. Im allgemeinen
Sparwahn sollen die notwendigen Transportbescheinigungen abgeschafft
werden. Dadurch könnten die Transporte nicht mehr wirklich kontrolliert
werden. Bitte helfen Sie uns, dies zu
verhindern!
Die Forderungen von Animal Spirit
-
Strenge
Kontrollen europaweit
-
Absolute
und ausnahmslose Begrenzung der
-
EU-Lebendtiertransporte
auf max. 8 Stunden
-
Innerhalb
eines Landes Begrenzung auf 4 Stunden
-
Sofortiger
und ausnahmsloser Stopp der
-
Subventionen
für Tiertransporte in Drittstaaten (z.B.
Naher Osten)
So kann Animal Spirit weiter handeln:
Mit gewaltfreien Aktionen, durch Öffentlichkeitsarbeit,
Informationsarbeit und Kooperationen mit TierschützerInnen
in ganz Europa können wir Millionen gequälten Tieren eine Lobby sein.
Denn außer uns Tierfreunden hilft ihnen niemand.
Bitte treten Sie an unsere Seite und
spenden Sie für unsere weitere Arbeit!
Spendenkonto: PSK 75.694.953
Herzlichen Dank!
Rückfragehinweis: Dr.
Franz-Joseph Plank, Obmann Animal Spirit, 0676/7082434
Animal Spirit
Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112
3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Fax: +43 (0) 2774/29 331
E-Mail: office@animal-spirit.at
Spendenkonto:
A: PSK, BLZ 60000, Kto: 75.694.953
D: Volksbank Freilassing BLZ 71090000, Kto: 285943