
26. 09. 2008 - Mailing 04/2008 -
Sie sollen
leben!
(Auch als
PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)
Sie sollen
leben!
Die Chancen eines
österreichischen Haflinger- oder Norikerfohlens, den ersten Geburtstag
zu erleben, standen bis vor vier Jahren denkbar schlecht. Doch seit
unserer ersten Fohlenfreikaufaktion im Herbst 2004 hat sich dies
geändert. Seither ist es uns gelungen über 200 Fohlen, Ponys und Esel
vor dem Transport zum Schlachter freizukaufen und gut unterzubringen.
Manche haben uns zuerst wegen
unserer „Naivität“ belächelt und einige bezeichnen unser Handeln bis
heute als „Tropfen auf dem heißen Stein“. Aber mit Sicherheit war keiner
dieser Leute jemals in Maishofen oder auf einem der anderen
Pferdemärkte. Sie waren nicht dabei, wenn die Fohlen mit Stock und
Peitsche auf die Transporter getrieben wurden. Und sie haben die
Angstschreie und das Wehklagen der Fohlen nicht gehört.
Wir sind jedes Jahr in
Maishofen. Wir kennen die italienischen und österreichischen
Viehhändler, ihre Tiertransporter und wir kennen die Schlachtstraßen in
den italienischen Fabriken, wo im Akkord getötet wird. Natürlich ist uns
klar, daß wir nicht alle Haflinger- und Norikerfohlen retten können, die
jährlich auf Pferdemärkten verschachert werden. Aber jedes einzelne, das
wir dem Tod entreißen, ist den Einsatz wert.
Auch wenn es schwerfällt
bemühen wir uns möglichst nüchtern an die Sache heranzugehen. So viel
Geld in unserer „Fohlenkasse“ ist, so viele Fohlen können wir
freikaufen. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, auch gesetzlich
etwas für die Tiere zu erreichen und pflegen sogar den Kontakt mit den
Züchtern, um sie langfristig für das Leid der Pferdekinder zu
sensibilisieren.
Viele Spenderinnen und Spender
unterstützen unser Fohlenprojekt seit Anbeginn. Gemeinsam setzen wir es
fort, bis diese Grausamkeit ein Ende hat. Bald fahren wir wieder nach
Maishofen.
Wir präsentieren: Die ineffizienteste Pferdezucht der
Welt
Die Haflingerzucht in
Österreich ist ein absurdes Unternehmen mit grauenhaften Folgen für
tausende Fohlen. In keiner anderen Pferde-zucht wird derart viel
„Ausschußware“ produziert. Mehr als 90% dieser Tierkinder werden durch
den Verkauf an Schlachtfabriken „entsorgt“, weil sie den gerade
aktuellen Zucht-richtlinien nicht entsprechen, weil die Mähne nicht weiß
genug oder das Köpfchen zu lang und das Herz der Züchter ein gefühlloser
Stein ist.
Für ein Kilo
Pferdekinderfleisch gibt es etwa 1,60 Euro. Obwohl Lebewesen dafür
sterben, betrachten die Züchter dieses Geld nur als Trostpreis. Denn
wahre Volltreffer sind in der blutigen Lotterie namens Haflingerzucht
sehr selten. Spitzenpreise liegen bei rund 8.000 Euro für ein
Zuchtfohlen, den absoluten Super-Jackpot stellte im Jahr 2006 ein Fohlen
dar, das um unglaubliche 50.960 Euro den Besitzer wechselte. Glücklich
der Züchter, der ein derartiges Goldstück vorweisen kann. Um die eigenen
Chancen zu erhöhen, werden Stuten erbarmungslos jedes Jahr gedeckt, denn
sie sollen laut Zuchtverband „nie leer stehen“. Eine Formulierung, die
in ihrer Geschmacklosigkeit ausgezeichnet zu dem gesamten Handeln paßt.
Unter dem Deckmäntelchen
der Erhaltung seltener Haustierrassen gibt es für Norikerfohlen sogar
EU-Prämien und zusätzlich noch Prämien für sogenannte Elitefohlen, der
stete Fohlenmord wird also auch noch mit Steuergeld gefördert.
Das Zentrum der
österreichischen Haflingerzucht liegt im Tiroler Ebbs, dem Ursprungsort
der Original-Haflinger. Die Gemeinde führt als Wappentier ein niedliches
Pferdchen, passender wäre vielleicht eine Salamiwurst oder Leberkäse.
Denn von den rund 1.500 Fohlen, die hier jährlich „produziert“ werden,
sind nur etwa 200 Stutfohlen und max. 20 junge Hengste gut genug zur
Weiterzucht. Die überwiegende Mehrheit wandert direkt oder über
Pferdemärkte und Mastfabriken in die italienischen Schlachthöfe.
Das Gestüt in Ebbs ist der
Heimatstall sämtlicher Haflinger-Champions, aller Europa- und
Welt-Sieger der letzten 10 Jahre und ist maßgeblich für die
Zuchtrichtlinien verantwortlich, nach -denen die Tiere in
Schönheitswettbe-werben bewertet werden.
Vom bezaubernden Tierbaby zur Ausschußware
Die meisten Pferdefohlen
werden zwischen März und Mai geboren und verbringen den Sommer auf der
Alm, wo sie Touristen entzücken und als begehrte Fotomotive fungieren.
Manchen ist nicht einmal diese kurze Gnadenfrist gegönnt. Spätestens im
Herbst werden die Fohlen mit den Stuten zum Pferdemarkt transportiert,
wo sie – manchmal schon im zarten Alter von drei bis vier Monaten – von
den Müttern getrennt werden. Die meisten der etwa 3.000 Haflinger- und
Norikerfohlen, die in Österreich und Deutschland jährlich geboren
werden, verschwinden in den Schlachthöfen Süditaliens. Nach dem Alptraum
am Pferdemarkt erleiden sie die Qualen eines langen Transports, oft
sogar ohne Futter und Wasser. Viele der Tiere sind in dieser Phase
bereits mehr oder weniger stark geschwächt oder verletzt. In Italien
folgt auf eine kurze Mast der Tod durch den Bolzenschußapparat und das
Schlachtermesser. Bedient wird dieses Mordinstrument von unterbezahlten
Akkordarbeitern, dabei spielen sich Szenen ab, deren Beschreibung wir
Ihnen hier lieber ersparen.
Der kurze Lebensweg dieser Fohlen endet in
einem schrecklichen Drama, verursacht durch Profitgier.
Happy-End für Basti
Das
Haflinger-Hengstfohlen Basti wurde in Maria Alm geboren und verbrachte
den Sommer in den Salzburger Bergen. Diese Idylle fand an einem
Oktobermorgen vor zwei Jahren ein jähes Ende.
Mit seiner Mutter wurde
Basti auf einen Viehanhänger verfrachtet und mit dem Traktor
weggebracht. Schon im engen Anhänger verletzte er sich am Kopf. Der
Straßenlärm, der pochende Schmerz, der Geruch des eigenen Blutes, all
das ängstigte Basti. Nur der warme Leib der Mutter neben ihm beruhigte
ihn. Dann hielt der Traktor. Plötzlich überall derbes Schreien,
panisches Wiehern und Nieselregen. Hände zerrten Basti vom Anhänger und
auf eine Waage, er wurde mit einer Nummer versehen und angebunden.
Bastis Kopf schmerzte. Er hatte Hunger und Durst. Es wurde immer kälter
und der Regen hörte nicht auf. Seine Platzwunde kümmerte keinen, in den
Augen seiner Besitzer war das Fohlen ohnehin wertlos. Aber sie würden
ihn schon loswerden, die Italiener hatten noch jedes „Viech“ genommen.
Nach endlosem Warten ein
Ruck an Bastis Halfter und ein beißender Schmerz an der Flanke.
Erschrocken fuhr das Fohlen einen Schritt zurück, als schon der nächste
Biß in seiner Seite traf. Mit Peitschenschlägen trieben die Leute Basti
weg von seiner Mutter und hinein in eine Hölle aus Lärm, Licht, Geschrei
und Bierdunst. Über allem witterte er panische Angst, die unzählige
Pferde bereits in der stickigen Hallenluft hinterlassen hatten.
Verzweifelt marschierte der kleine Hengst im Rhythmus der Peitsche in
einem engen Parcours im Kreis. Er wurde von allen Seiten angestarrt und
immer wieder zischte die Peitsche nieder. Endlich endete Bastis Gang vor
der Versteigerungshalle, vor der er wieder angebunden wurde. Endlich
Luft. Und dann erfasste ihn ein schrecklicher Schwindel. Aber es war
nicht seine Wunde, die schmerzte, es war eine Entdeckung.
Die Mutter war fort,
einfach weg, er war allein.Und trotzdem hatte Basti Glück, denn er wurde
von ANIMAL SPIRIT mit Spendengeld freigekauft. Sein Leben war gerettet.
Etwa eine Stunde sprachen wir beruhigend auf das erbärmlich zitternde
Fohlen ein. Wir versorgten seine Wunde, gaben ihm Wasser und Futter, bis
Basti so weit war, mit zwei anderen Fohlen in einen Pferdeanhänger
geführt zu werden. Zunächst ging die Reise zum Gnadenhof, wo sich die
Tiere in einer warmen Box mit viel Stroh und Heu von den Strapazen
erholten. Am nächsten Tag wurden Basti und sein neuer Freund Florian in
die Steiermark in ihr neues Zuhause gebracht: Eine saftige Weide und ein
großer Offenstall, wo schon ein anderes, freundliches Pferd auf die
beiden wartete. Und ein nettes Ehepaar, das sich schon sehr auf die
Neuankömmlinge gefreut hatte und seither liebevoll für sie sorgt.
Den geretteten Fohlen geht es gut
Unsere Fohlen werden oft von Familien
aufgenommen, die bereits Pferde haben oder einfach nur genug Platz. Es
sind Menschen, die Pferde lieben und die nötige Fürsorge aufbringen. Die
Fohlen danken es ihnen jeden Tag. Immer wieder erreichen uns Nachrichten
über ihr Wohlergehen.
Für immer in Geborgenheit
A
uch in Zukunft
werden wir genug Fohlenplätze finden, obwohl wir bei der Wahl dieser
Plätze anspruchsvoll sind und sie regelmäßig kontrollieren. Wir
vergewissern uns, ob auch wirklich alles paßt und es den Tieren gut
geht.
Für diese Aufgabe suchen wir noch
ehrenamtliche KontrolleurInnen in Oberöster-reich/Salzburg,
Niederösterreich/Burgenland und Steiermark/Kärnten.
Voraussetzung sind Grundkenntnisse in
artgemäßer Pferdehaltung. Wenn Sie uns durch diese ehrenamtliche
Tätigkeit (ggf. gegen Spesenersatz) unterstützen möchten, melden Sie
sich bitte bei ANIMAL SPIRIT, wir freuen uns auf Sie:
Tel. (+43) 02774 / 29330.
Was ANIMAL SPIRIT mit Ihrer Spende für
die Fohlen tun kann
S
chon bald beginnen
wieder die Pferdemärkte in Maishofen. Wir wollen auch dieses Jahr wieder
möglichst viele Fohlen freikaufen und so vor dem Tod im Schlachthof
retten. Je mehr Spenden wir erhalten, umso mehr Fohlen können wir
freikaufen. Neben dem Freikauf von Fohlen führen wir Protestaktionen
durch und stehen auch in Kontakt mit Züchtern, um zumindest einige
Verbesserungen zu erwirken. Und wir stellen politische Forderungen. Die
fünf wichtigsten sind:
-
Neudefinition der Zuchtrichtlinien und Einführung von
Zuchtbeschränkungen
-
Mindestalter von 6 Monaten bei Versteigerungen
-
Ständige Anwesenheit eines unabhängigen Tierarztes bei den Auktionen/
Pferdemärkten
-
Einhaltung und Kontrolle bestehender Tierschutz- und Transportgesetze
-
Generelles Exportverbot für alle „Schlacht“-Fohlen bis zu einem Jahr.
Vielen Dank für Ihre Fohlenspende!
Sie können ANIMAL SPIRIT
online spenden, per e-Spende unter
www.oncharity.at/animal/main.asp
ANIMAL SPIRIT macht auch
Tierschutz im Unterricht:
www.tierschutzunterricht.at
A: P.S.K.,
BLZ 60000, Kto: 75.694.953,
BIC: OPSKATWW, IBAN: AT826000000075694953
D: Volksbank Freilassing, BLZ 71090000, Kto: 285943
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Email:
office@animal-spirit.at
Web: www.animal-spirit.at
Spendenkonto: PSK 75.694.953, BLZ 60000
Online spenden:
https://www.oncharity.at/animal