
03. 09. 2004 - NEWS-Report: Nach der EU-Erweiterung -
Fette Profite, kaum Kontrollen, läppische Strafen
Wie Tausende Schlachttiere seit der EU-Erweiterung quer
durch Österreich gekarrt werden - der Horrortrip.
Während draußen der Asphalt in der Sommerhitze glühte,
liefen in den Amtsstuben des Gendarmeriepostens Neusiedl am See die Drähte
heiß. Über 40 empörte Anrufer meldeten einen an der B50 wegen
Motorschadens abgestellten Lkw aus Polen, der "schrecklich brüllende
Kälbchen" geladen habe. Den ausrückenden Beamten bot sich ein erbärmliches
Bild: Der Laderaum war gnadenlos voll gepfercht mit Tieren, die auf
kleinstem Raum zusammenstehen mussten. Einige der 194 Kälber - erst
zwei bis drei Wochen alt, aber entgegen allen Vorschriften bereits mehr
als 20 Stunden ohne Wasserversorgung auf Achse - waren von Durst und
Hitze derart geschwächt, dass sie wie wild an den Gitterstäben
saugten.
Tierqual auf Rädern. "Highway to hell" - im
wahrsten Sinn des Wortes. "Auf ihrer langen Reise in den Tod
erleiden Schlachttiere oft schreckliche Qualen", sagt Alexander
Rabitsch. Der Tierarzt aus Ferlach hat für das Land Kärnten in den
vergangenen Jahren über 700 Tier-Lkws unter die Lupe genommen. Sein
alarmierender Befund: "Nur ein Drittel aller kontrollierten
Transporte erfüllt die Vorschriften, zwei Drittel sind nicht in
Ordnung." Die Hälfte der Beanstandungen seien
"tierschutzrelevant", mehr als 50 Prozent betreffen
"unglaubwürdige oder unzureichende Papiere".
Immer mehr Nutztiere werden jährlich kreuz und quer
durch Europa gekarrt - entweder zur Mästung, zu Zuchtzwecken oder zur
Schlachtung. Waren es im Jahr 1999 noch 295 Millionen Tiere, so wurden
2003 bereits rund 360 Millionen Lebendtiere in den EU-15-Ländern
transportiert, davon 220 Millionen Schweine, 82 Millionen Schafe und 31
Millionen Rinder. Insgesamt sind so jährlich gut 350.000 Lkws
unterwegs. Laut Berechnungen des VCÖ (Verkehrsclub Österreich)
entspricht das aneinander gereiht einer Lkw-Kolonne von rund 4.400 km Länge.
"Ein lebender Esel kostet in der Ukraine so viel
wie ein Kilo Eselfleisch in Italien", weiß Dr. Franz-Jospeh Plank
von der Tierschutzorganisation "Animal Spirit". Zudem werden
mit EU-Geldern Großschlachthöfe in strukturschwachen Gebieten wie
Sizilien gebaut, die mit Niedrigpreisen locken. Folge: Regionale
Schlachthäuser sperren vermehrt zu, die Transportwege werden noch länger.
Die EU-Erweiterung hat diesen Prozess noch beschleunigt - die
Transportwege für Tiere haben sich um bis zu 1.000 Kilometer verlängert.
Tagelang auf Achse. Bis zu 90 Stunden dauert die
qualvolle Reise in den fahrbaren Käfigen. So werden Pferde aus Litauen,
Weißrussland oder Rumänien nach Italien transportiert, Schafe aus
Schottland nach Griechenland, Ferkel aus Ungarn nach Spanien oder Kälber
aus Polen nach Südeuropa. Um möglichst viele Tiere auf einmal
transportieren zu können, werden sie in bis zu vierstöckige
Transporter gepfercht. Die Raumhöhe ist so gering, dass sie nicht
einmal ihren Kopf heben können.
Im EU-Raum hat sich auch für die Fleischproduktion ein
System der Profitmaximierung etabliert. Gemästet und geschlachtet wird,
wo es am billigsten ist. Geburtsort, Mastplatz und Schlachthaus liegen
oft Tausende Kilometer voneinander entfernt. Tiere werden im Norden gezüchtet
und nach Südeuropa zum Schlachten gebracht, das Fleisch wird wieder zurück
nach Mitteleuropa transportiert. Selbst Tierbabys im Alter von wenigen
Wochen, etwa Milchkälber oder Saugferkel, werden über Tausende
Kilometer verfrachtet.
Animal Spirit
Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112
3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330 Email: office@animal-spirit.at
Web: www.animal-spirit.at
Spendenkonto: PSK, Kto. 75.694.953