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03. 10. 2002 - Ein Königreich für ein Pferd?

Das Pferd ist - neben dem Hund - einer der treuesten Begleiter des Menschen, Pferdezeichnungen an Höhlenwänden zählen zu den ältesten Zeichnungen von Menschenhand.

(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)

Schon 5000 Jahre leben Pferde bei uns und arbeiten für uns. Pferde halfen den Bauern beim Pflügen und Ackern, Pferde zogen Kutschen, Schlitten und schwerste Lasten. Pferde arbeiteten in Bergwerken und als Postpferde. Sie begleiteten uns auf Expeditionen und leider auch in Kriege. Diese lange gewachsene Beziehung ist wohl der Grund, warum wir Pferde so gern haben. Auch ihr soziales Wesen spielt dabei eine Rolle. Pferde sind echte Herdentiere, werden sie alleine gehalten, binden sie sich besonders eng an "ihren" Menschen. Speziell Kinder und da vor allem die Mädchen lieben Pferde, lernen reiten und haben Freude daran, die Tiere im Reitstall zu pflegen. Bei uns sind heute 95% aller Pferde Sport- und Freizeitpferde. In Osteuropa allerdings arbeiten noch sehr viele Pferde in der Landwirtschaft oder als Zugtiere.

Ja, die Menschen lieben Pferde. Aber niemand fragt sich, was mit Pferden passiert, wenn ihre besten Jahre vorbei sind. Mag sein, dass alte Reitpferde bei uns ein Gnadenbrot genießen können oder aus Geiz gnädig eingeschläfert werden. Doch was passiert mit den tausenden osteuropäischen Pferden, wenn sie keine schweren Lasten mehr ziehen können oder nicht mehr gebraucht werden?

Über 100.000 Pferde aus Osteuropa sterben in EU-Schlachthäusern
In vielen Gegenden Osteuropas gehören Pferde nach wie vor zum Alltagsbild. Sie werden zum Pflügen, zum Ernten und Heuen eingesetzt, sie ziehen Kohlewägen oder Bierfässer. Solange ihre Kräfte eben dafür reichen. Danach beginnt für die fleißigen Arbeitspferde nicht etwa der wohlverdiente Ruhestand, sondern meist eine quälende Fahrt in den Tod. Zunächst werden sie rücksichtslos in einen engen Transporter gepfercht und zum größten osteuropäischen Umschlagplatz für Pferde in Südpolen verfrachtet. Dieser Vorposten der Hölle heißt Zebrzydowice. Hier landen halbtote, halbverdurstete, halbverhungerte, kranke und verletzte Pferde aus Litauen, Weißrussland, Rumänien, Ukraine. Und über Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien geht es nach Italien oder quer durch Europa nach Frankreich und Belgien. Da trifft es sich gut, dass in osteuropäischen und leider auch in den EU-Ländern Tiertransporte nicht ordentlich kontrolliert werden.

Ein mörderisches Konzept für maximalen Profit
Aus Pferden, die am Ende sind, weil sie sich ihr Leben lang für ihre Besitzer abgerackert und geschunden haben, lässt sich noch eine Menge Profit schlagen. Vorausgesetzt die "Ware" wird auf schnellstem Wege dorthin verfrachtet, wo sie am günstigsten verwertet werden kann. Die billigsten Schlachthäuser für Pferde stehen in Italien, Frankreich und Belgien, in diesen Ländern wird Pferdefleisch auch besonders geschätzt. Der größte italienische Schlachthof befindet sich in Süditalien. Warum? Weil die EU strukturschwache Gebiete fördert, indem dort spezialisierte Industrien angesiedelt werden. Pferdefleisch wird vor allem zu Wurstprodukten verarbeitet und ist so etwa unerlässliche Zutat für italienische Salami, die in ganz Europa gegessen wird. Damit nicht nur die Pferdeschlächter verdienen, sondern auch die Frächter, stopfen diese so viele Pferde wie möglich in einen Transporter und sorgen für eine Fahrt im Eiltempo. Non-Stopp zum Schlachthof.

Im Dunkeln herrscht das Grauen
Die Transporter sind heillos überfüllt. Um Platz zu sparen werden die Tiere extrem kurz angebunden, sodass sie keine Bewegungsfreiheit haben. Die Pferde stehen quer zur Fahrtrichtung und haben bei Vollbremsungen keine Chance. Weil die Tiere ohnehin nur mehr in die Wurst kommen, wird auf Fütterung und Tränkung kein Wert gelegt. Die Pferde arbeiten ja auch nichts mehr, nicht wahr?! Schlechtes oder kein Futter, schmutziges oder kein Wasser. Dafür Millionen Schlaglöcher, stickige Hitze, Enge, Dunkelheit, Schreie und Schläge vom Einladen bis zum Ausladen an der Endstation. In manchen Fällen sind die Tiere bis zu 90 Stunden unterwegs, obwohl Pferde nach EU-Richtlinien alle 24 Stunden entladen und versorgt werden müssten. Versorgungsstationen gibt es zwar, aber sie werden entweder links liegen gelassen oder es wird nur der Stempel abgeholt und nach fünf Minuten weitergefahren. In Redics, an der ungarisch-slowenischen Grenze, müssten die Pferde auf jeden Fall eine 24-Stunden-Pause machen, aber auch hier passiert in Wirklichkeit nichts. Diesen Ort an der Haupttransportroute passieren jährlich 70.000 Pferde.

Bestehende Gesundheitsrichtlinien und Quarantänezeiten werden nicht eingehalten, die Tiere sind teils schwer krank, leiden an infektiöser Anämie, Beschälseuche oder Rotz. Dass diese Krankheiten auch für Menschen gefährlich sein können, kümmert offenbar niemanden.

Tu felix Austria ...
Um Österreich machen die Pferdetransporter aus Osteuropa einen großen Bogen. Warum? Unter anderem, weil Dr. Plank in den letzten sieben Jahren nicht müde wurde, die grauenhaften Tiertransporte anzuprangern. Deshalb gibt es in Österreich mehr Kontrollen, die die Tiertransporter wenn möglich umfahren. Wenn die Pferde nach Vorschrift behandelt werden, zahlt sich das gemeine und blutige Geschäft nicht mehr aus. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass in der gesamten EU und auch in den osteuropäischen Beitrittsländern in Zukunft strengstens kontrolliert wird.

Was tun wir für die Pferde?
Im letzten Sommer hat Dr. Plank eine Recherchereise durch Osteuropa unternommen, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Unter den schlimmen Eindrücken der leidenden Pferde entstanden Kontakte mit dem Verein Animals'Angels und anderen Organisationen. Animals'Angels z.B. engagiert sich besonders gegen internationale Tiertransporte und leistet wichtige Dokumentations- und Lobby-Arbeit. Ein Video des Vereins zeigt zum Beispiel die Entladung eines Transporters. Ein blutüberströmtes Pferd wird herausgehoben, bricht zusammen und bleibt eine halbe Ewigkeit blutend liegen - bis es am Ende weggekarrt wird.

Auch mit Hilfe solcher Bilder wollen wir nun erst einmal Ungarns Politiker zu strengeren Gesetzen und genaueren Kontrollen bewegen. Ungarn ist ein wichtiger Korridor für die Pferdetransporte. Je strenger auf der Strecke kontrolliert wird, umso langsamer und unrentabler werden die Transporte. Wenn sich die Transporte einmal nicht mehr rechnen, werden sie aufhören.

Überzeugende Lobby-Arbeit im EU-Raum
Die politisch Verantwortlichen in den EU-Beitrittsländern müssen dafür sorgen, dass in Zukunft EU-Bestimmungen eingehalten werden. Tierärztliche Kontrollen müssen durchgeführt werden, kranke Tiere dürfen nicht mehr in die EU importiert werden, regionale Missstände wie fehlende Versorgungsstationen, Nichtfüttern und -tränken der Tiere müssen gestoppt werden. Animal Spirit arbeitet dabei in einem Netzwerk von Tierrechtsorganisationen.

Öffentlichkeitsarbeit in Österreich
Animal Spirit widmet sich dem Kampf gegen alle Tiertransporte. Wir möchten, dass das Bewusstsein um die barbarische Behandlung von Pferden und allen anderen Tieren, die tagtäglich durch Europa gekarrt werden, weiter zunimmt. Dazu gehört auch, dass wir die ÖsterreicherInnen für einen bewussteren Konsum sensibilisieren wollen. Wenn es schon unbedingt Fleisch sein muss, dann doch bitte nicht aus Massenhaltung und Tiertransportern. Auch unsere Informationsarbeit an Schulen möchten wir fortsetzen. Die Kinder, deren Lebenswelt wir ja ebenfalls gestalten, sollten über die Tiertransporte Bescheid wissen.



 

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