Kanada hält an der umstrittenen
Robbenjagd fest und erlaubt den Abschuss von 335.000 Tieren
Ottawa – An Kanadas Ostküste dürfen in
diesem Jahr bis zu 335.000 Sattelrobben erlegt werden. Das gab das
Fischereiministerium am Mittwoch bekannt. Der Fischereiminister Loyola
Hearn sieht mit dieser Quote die Sicherung des Bestands an Robben und
die ökonomischen Interessen gleichermaßen berücksichtigt. Tierschützer
hatten vorher angesichts der schlechten Eis-Bedingungen im
St.Lorenz-Golf und an der Atlantikküste ein Ende der Jagd gefordert –
oder wenigstens eine niedrigere Quote.
Robben werden vor allem wegen ihrer
Felle erlegt. Und aus ihrem Fett werden Pillen hergestellt, die bei
Bluthochdruck, Diabetes und Arthritis helfen sollen. Der Minister
nennt die Jagd nachhaltig; sie sei in vielen Gemeinden an der Küste
eine „notwendige Einkommensquelle“. Die Zahl von 325.000
Sattelrobben, die in der kommerziellen Jagd getötet werden dürfen,
entspricht der Durchschnittsquote der vergangen drei Jahre. Nun dürfen
zusätzlich 10.000 Robben von Ureinwohnern oder zum eigenen Verbrauch
erlegt werden.
Die Babys mit dem weißen Pelz
Auch künftig soll eine ähnliche Zahl von
Robben erlegt werden dürfen – wenn sich die Rahmenbedingungen nicht
ändern. Gefährlich für die Robben wäre ein weiterer Temperaturanstieg,
der die Eisbildung verhindern könnte. Robben bringen ihre Jungen auf
Packeis zur Welt und säugen sie dort, weil die Jungen in den ersten
Wochen nicht schwimmen können. Ist das Eis nicht stark genug, werden
die schweren Muttertiere von ihrem Nachwuchs getrennt und die
Jungtiere drohen zu ertrinken.
Wenn die Robbenbabys etwa 30 Kilogramm
wiegen, ihr Fell langsam schwarz-grau gefleckt wird und sie nicht mehr
von der Mutter ernährt werden, dann dürfen die Robben erlegt werden.
Das bedeutet, wie Jagdgegner betonen, dass die meisten erbeuteten
Tiere noch immer Jungrobben im Alter von wenigen Wochen sind.
Es sind zwei Fragen, die im Zentrum der
Debatte um den Robbenfang stehen: Der Bestand der Tierart und die
Jagdpraktiken. Für Kanadas Regierung – für die frühere liberale ebenso
wie die seit Februar amtierende konservative – ist die Jagd
„nachhaltig“. Sie geht von einem Robbenbestand von 5,8 Millionen
Tieren aus, der also etwa dreimal so groß ist wie in den
Siebzigerjahren. Jährlich würden eine Million Robben geboren. Der
Fischereiminister nennt die Sicherung der Robbenherden sogar eine
„Erfolgsstory“.
Ein Schlag auf den Kopf
Das sehen die Jagdgegner anders.
Greenpeace zufolge beruhen die Regierungszahlen auf unsicheren Daten
und könnten nicht langfristig den Bestand sichern. Und der IFAW, der
International Fund for Animal Welfare, verweist darauf, dass
die Jungrobben durch die schlechten Eis-Bedingungen in diesem Jahr
stark bedroht sind. Kanada erlebte den mildesten Winter seit 50
Jahren. Die von der Regierung festgelegte Quote sei unter diesen
Umständen „lächerlich hoch“. Außerdem sei eine „nicht
akzeptierbar grausame Jagd“ erlaubt.
Während nun die Regierung davon ausgeht,
dass bis zu 98 Prozent der Tiere sofort sterben, hält der IFAW
dagegen, dass ein erheblicher Prozentsatz der Tiere lange leiden muss.
Auch die Tierärztegruppe forderte eine stärkere Kontrolle. Und nun hat
das Ministerium tatsächlich die Zahl der Inspektoren erhöht, die „humane
Jagdpraktiken und die ordnungsgemäße Verwendung der Jagdgeräte“
sichern sollen. Ja, es wurde sogar eine Gesetzesänderung angekündigt,
um andere Vorschläge der Tierärzte umzusetzen, die die Jagdpraktiken
weiter verbessern könnten. Das spricht für ein Problembewusstsein.
Muster-Protestschreiben an die
-->
engl. bzw. franz. Version
DRINGENDE ANFRAGE wegen des neuerlich beginnenden Robbenmords!
Sehr geehrte Frau Botschafterin,
sehr geehrte Damen und Herren der kanadischen Regierung,
Ihre Regierung hat heuer wieder 335.000 Jungtiere zum Schlachten
freigegeben, sogar noch mehr als im vorigen Jahr! Alle vernünftigen
Proteste, Einwände und Bitten diverser internationaler
Tierschutzorganisationen konnten die kanadische Regierung und die
zuständige Fischerei-Ministerin, Frau Loyola Hearn, leider nicht
umstimmen. Ich gehe deshalb davon aus, daß es um rein finanzielle
Interessen seitens Ihrer kanadischen Regierung geht und daß Robben nur
als Sündenböcke für die jahrzehntelange Mißwirtschaft der
industriellen Fischerei herhalten müssen, weil sie fälschlicherweise
für den dramatischen Rückgang der Fischbestände verantwortlich gemacht
werden.
Diese Jagd findet unter
grausamsten Bedingungen statt. Eine Studie von unabhängigen,
internationalen Wissenschaftern aus dem Jahr 2001 belegt, daß 42% der
Robben bei lebendigem Leib und vollem Bewußtsein gehäutet werden.
Regelmäßig werden Verstöße gegen die wenigen Schutzgesetze, wie häuten
und ausbluten lassen bei lebendigem Leib aufgezeichnet. Tote und
sterbende werden auf einen Haufen geworfen, lebende Robben an
Bootshaken aufgehängt oder quer über das Eis transportiert.
ANIMAL SPIRT e.V.
Frauenhoferstr. 11, D-83714 Miesbach
Tel. +49 (0)8025 4610 bzw. s.o.
Spendenkonto: VB Freilassing
BLZ: 710 900 00, Kto: 285943