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20. 03. 2006 - Robbenjagd: Kanada erlaubt den Abschuss von 335.000 Tieren - Bitte um Proteste
 

Tod auf dem Eis

Kanada hält an der umstrittenen Robbenjagd fest und erlaubt den Abschuss von 335.000 Tieren

Ottawa – An Kanadas Ostküste dürfen in diesem Jahr bis zu 335.000 Sattelrobben erlegt werden. Das gab das Fischereiministerium am Mittwoch bekannt. Der Fischereiminister Loyola Hearn sieht mit dieser Quote die Sicherung des Bestands an Robben und die ökonomischen Interessen gleichermaßen berücksichtigt. Tierschützer hatten vorher angesichts der schlechten Eis-Bedingungen im St.Lorenz-Golf und an der Atlantikküste ein Ende der Jagd gefordert – oder wenigstens eine niedrigere Quote.

Robben werden vor allem wegen ihrer Felle erlegt. Und aus ihrem Fett werden Pillen hergestellt, die bei Bluthochdruck, Diabetes und Arthritis helfen sollen. Der Minister nennt die Jagd nachhaltig; sie sei in vielen Gemeinden an der Küste eine „notwendige Einkommensquelle“. Die Zahl von 325.000 Sattelrobben, die in der kommerziellen Jagd getötet werden dürfen, entspricht der Durchschnittsquote der vergangen drei Jahre. Nun dürfen zusätzlich 10.000 Robben von Ureinwohnern oder zum eigenen Verbrauch erlegt werden.

Die Babys mit dem weißen Pelz

Auch künftig soll eine ähnliche Zahl von Robben erlegt werden dürfen – wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Gefährlich für die Robben wäre ein weiterer Temperaturanstieg, der die Eisbildung verhindern könnte. Robben bringen ihre Jungen auf Packeis zur Welt und säugen sie dort, weil die Jungen in den ersten Wochen nicht schwimmen können. Ist das Eis nicht stark genug, werden die schweren Muttertiere von ihrem Nachwuchs getrennt und die Jungtiere drohen zu ertrinken.

Wenn die Robbenbabys etwa 30 Kilogramm wiegen, ihr Fell langsam schwarz-grau gefleckt wird und sie nicht mehr von der Mutter ernährt werden, dann dürfen die Robben erlegt werden. Das bedeutet, wie Jagdgegner betonen, dass die meisten erbeuteten Tiere noch immer Jungrobben im Alter von wenigen Wochen sind.

Es sind zwei Fragen, die im Zentrum der Debatte um den Robbenfang stehen: Der Bestand der Tierart und die Jagdpraktiken. Für Kanadas Regierung – für die frühere liberale ebenso wie die seit Februar amtierende konservative – ist die Jagd „nachhaltig“. Sie geht von einem Robbenbestand von 5,8 Millionen Tieren aus, der also etwa dreimal so groß ist wie in den Siebzigerjahren. Jährlich würden eine Million Robben geboren. Der Fischereiminister nennt die Sicherung der Robbenherden sogar eine „Erfolgsstory“.

Ein Schlag auf den Kopf

Das sehen die Jagdgegner anders. Greenpeace zufolge beruhen die Regierungszahlen auf unsicheren Daten und könnten nicht langfristig den Bestand sichern. Und der IFAW, der International Fund for Animal Welfare, verweist darauf, dass die Jungrobben durch die schlechten Eis-Bedingungen in diesem Jahr stark bedroht sind. Kanada erlebte den mildesten Winter seit 50 Jahren. Die von der Regierung festgelegte Quote sei unter diesen Umständen „lächerlich hoch“. Außerdem sei eine „nicht akzeptierbar grausame Jagd“ erlaubt.

Während nun die Regierung davon ausgeht, dass bis zu 98 Prozent der Tiere sofort sterben, hält der IFAW dagegen, dass ein erheblicher Prozentsatz der Tiere lange leiden muss. Auch die Tierärztegruppe forderte eine stärkere Kontrolle. Und nun hat das Ministerium tatsächlich die Zahl der Inspektoren erhöht, die „humane Jagdpraktiken und die ordnungsgemäße Verwendung der Jagdgeräte“ sichern sollen. Ja, es wurde sogar eine Gesetzesänderung angekündigt, um andere Vorschläge der Tierärzte umzusetzen, die die Jagdpraktiken weiter verbessern könnten. Das spricht für ein Problembewusstsein.

Muster-Protestschreiben an die                                 --> engl. bzw. franz. Version

Kanadische Botschaft
zH. Frau Marie Gervais-Vidricaire
Laurenzerberg 2

Tel. (+43) 01/53138-3000
Fax: (+43) 01/53138-3321

email: vienn@international.gc.ca


DRINGENDE ANFRAGE wegen des neuerlich beginnenden Robbenmords!

Sehr geehrte Frau Botschafterin,
sehr geehrte Damen und Herren der kanadischen Regierung,

Ihre Regierung hat heuer wieder 335.000 Jungtiere zum Schlachten freigegeben, sogar noch mehr als im vorigen Jahr! Alle vernünftigen Proteste, Einwände und Bitten diverser internationaler Tierschutzorganisationen konnten die kanadische Regierung und die zuständige Fischerei-Ministerin, Frau Loyola Hearn, leider nicht umstimmen. Ich gehe deshalb davon aus, daß es um rein finanzielle Interessen seitens Ihrer kanadischen Regierung geht und daß Robben nur als Sündenböcke für die jahrzehntelange Mißwirtschaft der industriellen Fischerei herhalten müssen, weil sie fälschlicherweise für den dramatischen Rückgang der Fischbestände verantwortlich gemacht werden.

Diese Jagd findet unter grausamsten Bedingungen statt. Eine Studie von unabhängigen, internationalen Wissenschaftern aus dem Jahr 2001 belegt, daß 42% der Robben bei lebendigem Leib und vollem Bewußtsein gehäutet werden. Regelmäßig werden Verstöße gegen die wenigen Schutzgesetze, wie häuten und ausbluten lassen bei lebendigem Leib aufgezeichnet. Tote und sterbende werden auf einen Haufen geworfen, lebende Robben an Bootshaken aufgehängt oder quer über das Eis transportiert.

Solange diese grauenvollen Barbareien weitergehen, werde ich kanadische Produkte meiden und auch Ihr schönes Land als Urlaubsziel boykottieren. Diesen Aufruf sende ich auch an unsere Vereinsmitglieder weiter.

Ich erwarte Ihre Antwort und hoffe, daß Sie und Ihre Regierung irgendwann einmal Einsehen haben werden.

Mit traurigen Grüßen

 

Rückfragehinweis:  Dr. Franz-Joseph Plank, (+43) 0676/7082434

 

Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Spendenkonto: PSK 75.694.953
Email: office@animal-spirit.at
Web: www.animal-spirit.at

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