
18.
08. 2006
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Tierschutz-Artikel in DIE PRESSE
In der "Presse" steht heute folgender interessanter
Artikel über das (neue) österr. Tierschutzgesetz und Menschenrechte für
Menschenaffen:
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=m&ressort=mk&id=579017
18.08.2006 - Mit Federn, Haut Und Haar: Wir Schimpansen und der
Tierschutz von KURT KOTRSCHAL
Zoologisch betrachtet sind Menschen eine von drei Arten von
Schimpansen. Die dem Menschen vorbehaltene Gattung "Homo' ist purer "Anthropho-Chauvinismus".
Es durfte wohl nicht sein, dass "der Mensch" mit "Tieren" eine
gemeinsame zoologische Gattung teilt. Den biologischen Fakten
entsprechend, gehören wir eigentlich mit unseren haarigen Vettern, dem
Schimpansen und dem Bonobo, zur Gattung "Pan".
"Pan sapiens" also. Oder vielleicht "Homo troglodytes" (Schimpanse) und
"Homo paniscus" (Bonobo) in Anerkennung der erstaunlichen kognitiven
Fähigkeiten unserer nächsten Verwandten?
Es ist also gar nicht abwegig, zumindest den Menschenaffen gewisse
Rechte zuzugestehen, wie im Buch "The Great Ape Project" von Peter
Singer und Paola Cavalieri schon 1993 gefordert. In Würdigung der
Sachlage gestand die spanische Regierung den Menschenaffen nun das Recht
auf Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit zu. Diese Regelung
ist weltweit zu fordern. Natürlich - es wäre erfreulich, kämen alle
Menschen in den Genuss der Menschenrechte. Das ist aber kein Grund, den
Menschenaffen etwas vorzuenthalten.
Menschen, die den Tierschutz hochhalten, hätten nichts für Mitmenschen
übrig, hört man. Dieses Vorurteil trifft nicht zu, im Gegenteil. Wo
Tiere missachtet werden, ist es auch mit der Achtung für die
Menschenwürde nicht weit her. Daher kann man in Österreich mit Recht auf
das neue Tierschutzgesetz (TSG 2005) stolz sein. Darin geht es nicht nur
um die Bedingungen für tiergerechte Haltung und ein endgültiges Verbot
des Abschneidens von Ohren und Schwänzen bei Hundebabys. Das TSG 2005
zeigt vielmehr die Veränderung der gesellschaftlichen Einstellung Tieren
gegenüber. So lautet §1: "Ziel ist der Schutz des Lebens und des
Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen
für das Tier als Mitgeschöpf." Tiere sind für den Gesetzgeber offenbar
nicht mehr jene gefühls- und seelenlosen Descartsche Maschinen, deren
Existenzberechtigung allein der Nutzen begründete. Zusätzlich wurde
kürzlich für Österreich jede invasive Forschung an Menschenaffen
gebannt.
Die Genese des Tierschutzgeset zes ähnelte freilich einer Nestroy-Posse.
Ein Volksbegehren nötigte dem Bundeskanzler ein entsprechendes
Wahlversprechen ab, die Kronenzeitung schob nach. Schließlich wurden
Pechlaner & Co vergattert. Ihr Entwurf wurde von allen möglichen Lobbies
gerupft, vom Wildgatterverband bis zur Arbeiterkammer (zumindest wurde
das versucht). Was übrig blieb, kann sich aber durchaus sehen lassen.
'S wär' nicht Österreich, wäre die Praxis nicht eher zäh, trotz
Engagement der Bezirksbehörden und der Tierschutz-Ombudsleute der
Länder. Das von Städtern geschaffene Gesetz trifft vielfach nicht die
Mentalitäten der Landbevölkerung. In Ebensee verteidigt man das
angebliche Brauchtum des Singvogelfangs, und ewige Übergangsfristen
gestatten der Landwirtschaft die Fortführung der lebenslangen
Anbindehaltung von Rindern bis zum St. Nimmerleinstag. Aber immerhin,
das Gesetz schafft dem Tierschutz neuen Raum.
Kurt Kotrschal ist Zoologe an der Uni Wien und Leiter der
Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau.
kultur@diepresse.com
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